Zum Geleit

Tach!

Ich heiße Oliver Koschmieder und eigentlich bin ich Architekt. Was heißt eigentlich – ich bin Architekt. Bloß arbeite ich nicht in einem Architekturbüro, sondern mache „was mit Medien“. Und mit Architektur. Daher das „eigentlich“. Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen – geht es hier auf dieser Website häufig um Gebautes. Weniger um das ganze Hochglanz-Zeug, das steht ja schon in den Architekturmagazinen. Es geht mir mehr um das unscheinbare, schmutzige, ungeplante in unserer gebauten Umwelt. Die Abseiten der Stadt und der Baukunst sozusagen.

Die meisten der Geschichten haben irgendwas mit dem Ruhrgebiet zu tun, denn hier lebe ich. Geboren in Dortmund, Studium unter anderem in Bochum, jetzt bin ich in Essen gelandet. Immer tiefer in den Westen. War nicht geplant, hat sich bloß so ergeben und lässt sich ganz gut zu einer kleinen Ruhrpott-Saga zuspitzen: Omma Kranführerin, wahrscheinlich sogar im Stahlwerk in Dortmund-Hörde, da wo heute der schicke Phönixsee ist. Oppa natürlich Bergmann. Eltern verlassen den schwächelnden Pott Mitte der Achtziger Jahre und ziehen nach Richtung Montabaur/Westerwald. Immer der Arbeit nach. Sohn kommt 20 Jahre später zurück wegen Bildungschancen, Kulturhauptstadt und einem Plätzchen in der vielbeschworenen Kreativwirtschaft. Ganz im Sinne des Strukturwandels. Wer hätte das gedacht? – Meine Omma jedenfalls nicht.

Noch ein Sinnspruch gefällig?
Als der Architekt einen Prachtbau am Pazifik nahezu fertiggestellt hatte, erklärte er dem Bauherrn: „Das Schlafzimmer muss ohne Dach bleiben“, ein Dach, so meinte er,“zerstöre die gesamte Linie“. Der Bauherr regte einen Kompromiss an: „Ein Schiebedach vielleicht?“ Der Architekt beharrte auf auf Licht, Sonne, Sterne. (Helmut Sorge, Der Spiegel, 2002)